Wort zu Lichtmess
Den Glauben nicht verlieren, die Hoffnung nicht aufgeben
Das Lukasevangelium berichtet von Simeon und Hanna, zwei alten Menschen, die jeden Tag den Tempel besuchen, fasten, beten und hoffen. Die Geschichte mit den beiden Senioren wird am 2. Februar, am Fest „Darstellung des Herrn“, auch „Mariä Lichtmess“ genannt, in den katholischen Gottesdiensten vorgelesen. Simeon und Hanna erkennen im Baby Jesus den ersehnten Gesandten Gottes, das Licht der Welt. Bis heute werden an diesem Tag Kerzen gesegnet für zuhause und die Gottesdienste. Mich faszinieren die beiden Senioren. Trotz allem, was sie in ihrem Leben erlebt und auch an Schicksalsschlägen erlitten haben, geben sie die Hoffnung nicht auf, halten sie an ihrem Glauben an Gott fest. Ich bewundere sie auch, weil ich selber gerade am Zweifeln und Fragen bin. Warum lässt Gott Tod und Leid zu? „Es ist nicht richtig.“ sagte mir eine Frau bei der Beerdigung der jungen Familie, die durch das Explosionsunglück in Tailfingen ums Leben kam. „Es ist nicht richtig.“ meint wohl auch „Es ist sinnlos, schrecklich, unfassbar.“ Ich konnte nur still mit dem Kopf nicken – wir waren schweigend in Trauer vereint. Ich habe keine Antwort auf die Frage nach dem „Warum?“ und denke an die Frage des Psalm 22: „Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ Es ist der Psalm, den Jesus am Kreuz betet. Am gleichen Abend sehe ich im Fernsehen Bilder von frierenden Menschen ohne Heizung, Strom und Wasser in der Ukraine. „Es ist nicht richtig.“
Wie kann ich – trotz allem – den Glauben nicht verlieren, die Hoffnung nicht aufgeben? Wie kann ich den Glauben an das Gute, an Gott in mir bewahren und den Keim der Hoffnung nähren, dass Krieg, Terror, Leid und Tod nicht das letzte Wort haben? Mir kommt das Wort des Theologen Karl Rahner in den Sinn: „Glauben heißt: Die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang aushalten.“ Ich empfinde es als Geschenk, dass mir das bisher einigermaßen gelungen ist und ich möchte mich weiter darum bemühen, an das Gute und die Liebe zu glauben. Und ich möchte denen, die zweifeln, klagen und hadern, ein respektvoller, aufmerksamer Zuhörer sein. Und nicht zuletzt: Ich möchte in meinem Alltag versuchen, Zeichen der Menschlichkeit und Solidarität setzen. Ich weiß: Diese kleinen Gesten des Alltags machen das Sinnlose nicht sinnvoll. Doch es ist auch „nicht richtig“, sie anderen vorzuenthalten.

