Wort zum Gründonnerstag
Um es vorweg zu sagen: Das Wort grün bei Gründonnerstag hat eher nichts mit der Farbe grün zu tun. Es stammt wohl vom mittelhochdeutschen Wort für weinen. Der Grund: Mit dem Gründonnerstag beginnt die Leidensgeschichte Jesu, die bekanntlich mit dem schmählichen Tod am Kreuz endet. Jesus ahnt sein Schicksal, er spürt , dass die Schlinge der Jäger sich zuzieht, auch mithilfe einer seiner Freunde. Zu Beginn des Leidensweges feiert Jesus mit seinen Freunden ein Abschiedsmahl. Er teilt Brot und Wein, auch mit seinem Verräter Judas. Brot und Wein werden zu Zeichen seiner Hingabe, seines totalen Engagements; „Das bin ich für euch!“. Das ist ein Testament, das in jeder Messe / Abendmahlsfeier lebendig wird. Das zweite Testament ist das Zeichen der Fußwaschung, von der das Johannes-Evangelium berichtet: Der Chef kniet sich vor seine Freunde und tut das, was sonst der Hausdiener tut! Was Jesus tat, war ein Skandal, weil es die Rangordnung auf den Kopf stellt. Die Fußwaschung ist kein Wellness-Ritual. Sie ist eine vollständige, bedingungslose Hingabe, reine Zuwendung. Jesus stellt damit die Frage: Was, wenn wahre Größe darin besteht, klein zu werden? Was, wenn Liebe bedeutet, dem anderen zu dienen, ohne Gegenleistung? Die Fußwaschung erinnert daran, dass wir einander brauchen. Das Größe in der Demut liegt. Die Fußwaschung ist ein Gegenentwurf zu einer Welt, in der jeder für sich kämpft. In der Schwäche versteckt werden muss und Dienen als Niederlage gilt. Der ev. Pfarrer von Graz, Friedrich Eckhardt bringt es (in: andere zeiten – Das Magazin zum Kirchenjahr, Heft 1/2026, Hamburg, Andere Zeiten e.V., www.anderezeiten.de) auf den Punkt: „Die Fußwaschung lädt uns ein, das Leben vom Boden her zu denken. Von unten, wo die Füße sind, die uns tragen. Von dort, wo wir verletzlich sind. Und vielleicht ist genau das die Botschaft des Gründonnerstags: dass Gott uns dort begegnet, wo wir meinen, am weitesten von ihm entfernt zu sein, in unserer Bedürftigkeit. In unserer Unvollkommenheit. In unseren müden, staubigen Füßen, die jemand in die Hand nimmt und liebevoll wäscht.“
Michael Holl, Pastoralreferent, Wallfahrtsseelsorger Palmbühl

